Zur Historie des Angelgewässers

Eingebettet in den weitläufigen Niederungen von Rur, Wurm und Malefinkbach - vielfach auch Teichbach genannt - und umrahmt von Wiesen- und Ackerparzellen, befindet sich das Angelgewässer der Angelgemeinschaft Randerath. Diese Parzelle, Gemarkung Randerath, Flur 5, Flurstück 11, liegt westlich der von Randerath über Himmerich nach Hilfarth führenden Kreisstraße Nr. 16, unmittelbar vor dem Brückenbauwerk über den Malefinkbach. Die Parzelle ist der nördlichste Teil der im Volksmund üblichen Bezeichnung „Reiperscheider Benden“ unmittelbar an der Gemeindegrenze mit der Stadt Hückelhoven. Die Reiperscheider Benden, auch in den Schreibweisen Reipenscheiter, Riepscheiter, Riepenscheider, Reifferscheider Benden u. ä., erhielten ihre namentliche Bezeichnung bereits im Mittelalter. Die auch als Randerather Benden bezeichneten Ländereien bilden einen Komplex von ungefähr 300 Morgen und sie wurden einst den Bewohnern von Randerath und Himmerich von dem Herrn von Reifferscheid und dessen Gemahlin, eine Geborene von Randeroide, als Schweidrecht für Kühe und Pferde geschenkt. In den Reiperscheider Benden ist der ursprüngliche Bendenweg nicht mehr vorhanden. An der Stelle, an der der Weg einst die Wurm überschritt, lag ein Steg, seit alten Zeiten unter dem Namen "Horster Steg" bekannt. In der Nähe dieses Steges und genau neben dem Wege befand sich eine Parzelle von einem ringförmigen Graben umgeben, der Rastplatz genannt, wahrscheinlich eine römische Bastion, so­genannte Mansion. Der Sage nach wäre hier einst von den Wanderern geruht worden, da dies der Mittelpunkt des Weges von Brachelen nach Heinsberg bildet. Der Rastplatz lag etwas höher als die übrige Wiesenfläche und hatte einen Durchmesser von 20 Schritten.
Der Namensgeber für diesen Bereich, Johann IV. von Reifferscheid, war mit Mechthilde von Randerath verheiratet. Johann IV. von Reifferscheid gewährte 1317 testamentarisch den Einwohnern von Randerath und Himmerich das Schweidrecht für Pferde und Kühe in den nach ihm benannten oben beschriebenen Benden. Das etwa 300 Morgen große Gelände, hauptsächlich Wiesengrundstücke, zieht sich von Randerath über Himmerich bis zur Malefink.

Diese Benden hatten dem Bauernbrauchtum entsprechende Bezeichnungen für die einzelnen Teilbereiche, wie Lurwinkel (Ausruhplatz), Kloppisen (Stelle fürs Sensendengeln), en de Zopp (hier aßen die mit dem Vieh beschäftigten Arbeiter mittags die Suppe), an den 12 Morgen. Vorstehende Geländebezeichnungen liegen in unmittelbarer he des Angelgewässers der Angelgemeinschaft.

Die Bewässerung der Benden erfolgte durch Regulierung des Wurmwehres zwischen Randerath und Himmerich. Das aus der Wurm austretende Wasser blieb einige Tage in dem Benden stehen und wurde durch Öffnen des sogenannten Himmericher Fließes wieder abgeführt.

In der "Darstellung der wesentlichen charakteristischen Merk­male deDenkmalsder Stadt Heinsberg vom 18. 41991 heißt es zu lfdNr. 7 wie folgt zur Panzerfalle bei Himmerich:

Kurzbeschreibung

Nordwestlich des Ortsteils Himmerich befindet sich zwischen Teichbach und Wurm,in der Flur "Zwischen den Gräben"das Teilstück eines Panzergrabens des WestwallsVon dem im Wurmtal zwischen Schloss Trips und der Rur geplanten Pan­zergraben haben sich neben dem Teilstück bei Himmerich noch Reste bei Schloss Trips und Kaphof erhalten.

Der etwa 10 bis 25 m breitemit Wasser gefüllte Graben hat heute noch eine Länge von rund 270 m. Neben den Betonhöckerhindernissen waren die Panzergräbenwas den Material­verbrauch betrafeine billigere Alternativedie aber nur in Gelände mit hohem Grundwasserstand zu verwirklichen waren. Das von mehreren Wasserläufen durchflossene Gelände war für eine derartige Anlage idealGräben dieser Breite waren von Panzern jener Zeit nicht zu überwinden. Ein durchgehendes Grabensystem zwischen Geilenkirchen und der Rur wäre also, falls keine Lücken und Straßenübergänge vorhanden gewesen wärenvöllig panzersicherNur durch den Bau von Brücken hätte man solche Breiten überwinden können. Wie so viele Vorhaben im Westwall bau wurde auch dieser Panzergraben nur an mehreren Stellen begonnendann wurden die Arbeiten aber wieder eingestellt.

Das Angelgewässer und seine Entstehung

Die Entstehung des Angelgessers geht auf die Zeit des zweiten Weltkrieges, auf den Bau des Westwalls zurück. Dieser Panzergraben ist ein Teil des von der Schweizer Grenze im Süden, über die Eifel kommend und entlang der belgischen und holländischen Grenze durch die Gemarkung Randerath bis nach Kleve am Niederrhein verlaufenden Verteidigungssystems. Es bestand aus über 18.000 Bunkern, Stollen und Gräben. Die Höckerlinien reichten in unserer Gegend bis nahe an Geilenkirchen und sollten die feindlichen Panzer aufhalten. Diese Höckerlinien sind im Laufe der Jahrzehnte an vielen Stellen mit Strauchwerk und Überwucherungen überwachsen.
Von Geilenkirchen bis nach Randerath wurden mehrere tiefe Panzergräben ausgehoben, deren Seiten sehr steil nach unten verliefen. Bei dem Versuch, mit einem Panzer die Panzergräben zu durchfahren, hätte nicht die geringste Möglichkeit bestanden, an der anderen Seite wieder nach oben zu gelangen. Entlang der Wurm zwischen Übach-Palenberg und Randerath hat es damals etwa 400 Bunker gegeben. Sie bedeuteten für die Landwirtschaft große Hindernisse bei der Feldbearbeitung und wurden nach dem Krieg gesprengt und tief ins Erdreich abgesenkt.

Am 28. 5. 1938 gab Adolf Hitler den Befehl für den beschleunigten Ausbau des Westwalls. Bereits am 1. 6. 1938 übernahm das Heeresgruppenkommando 2 die Oberleitung des Ausbaues. Entlang der belgischen und niederländischen Grenze entstand bis zum Herbst 1940 eine aus teilweise zwei hintereinander gestaffelten Linien bestehende Bunkerstellung. Trotz großem propagandistischen Aufwands bildete der Westwall 1944/45 für die alliierten Streitkräfte kein bedeutendes militärisches Hindernis. Bereits im September 1944 stießen amerikanische Truppen im Raum Monschau und Aachen durch den Westwall.

Im Januar 1945 schlossen britische Truppen zur Rur auf, nur in Hilfarth und auf der Höhe oberhalb Himmerich gab es noch deutsche Postierungen, so dass der Panzergraben bei Himmerich im Niemandsland bzw. der Frontlinie lag.

Der Westwall gehört mit seiner materiellen Hinterlassenschaft zu den Denkmälern aus unserer unmittelbaren Vergangenheit. Als Befestigungsanlage ist er bedeutend für die Geschichte der Menschen in Deutschland sowie der Entwicklung der Fortifikationstechnik (Befestigungswerk). Er erfüllt die Voraussetzungen gemäß § 2 DSchG *) zum Eintrag auch als Bodendenkmal in die Denkmalliste. An seinem Schutz und seiner Erhaltung besteht ein öffentliches Interesse.

Zustand/Erscheinungsbild:

Der Panzergraben ist noch in einem guten Zustand, scheint jedoch, besonders in seinem westlichen Teil, entweder nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand - was die Breite betrifft - zu sein, oder er ist nie fertiggestellt worden."

Soweit die Kurzbeschreibung in der Denkmalliste der Stadt für das Angelgewässer der Angelgemeinschaft Randerath.

*) = Denkmalschutzgesetz

Die Panzerfalle als Badesee

In den ersten Nachkriegsjahren diente die ehemalige Panzerfalle, also das heutige Angelgewässer, noch in seinem ursprünglichen Zustand den Bewohnern von Randerath, Himmerich, Horst und Hilfarth in Ermangelung anderer Bademöglichkeiten in hiesiger Gegend als willkommenes Badegewässer.

Badesee

Einst ein beliebter Badesee,

heute das Angelgesser der Angelgemeinschaft Randerath

Viele Kinder lernten hier das Schwimmen, Jugendliche und selbst viele Erwachsene zog es in den heen Sommermonaten zu diesem Gesser in seiner naturbelassenen Umgebung, ein Badevergnügen zum Nulltarif.

Vielfach mussten die Badefreudigen die Strecke über den damals noch aus einer sandgebundenen Schotterdecke befestigten Weg zu Fzurücklegen. Nur wenige Menschen verfügten zu dieser Zeit über ein Fahrrad, das man in Eigenbauweise und meistens mit Vollgummibereifung selbst zusammengebaut hatte. Ein neues Fahrrad und die entsprechende Bereifung konnte man erst nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 im Handel erwerben, es sei denn, man hatte vorher gute Beziehungen zu den entsprechenden Stellen.

Die aus Vollgummi bestehende Fahrradbereifung bestand aus dickem Erdkabel oder aus alten, nicht mehr brauchbaren Kompressorschläuchen der Zeche Sophia-Jacoba. Sie wurden nach genauem Abmessen stramm über die Felge gezogen und an den Enden mit Draht fest miteinander verbunden.

Oft hielt dieser Verbindungsdraht nicht lange, der Vollgummi­reifen löste sich während der Fahrt von der Felge und man musste die Fahrt zu Fuß fortsetzen, wenn man kein "Bordwerkzeug" und keinen Ersatzdraht zur Hand hatte. Am meisten litten die Fahrradspeichen, sie mussten immer wieder nachgespannt werden.

Erst einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Straße von Randerath über Himmerich nach Hilfarth mit einer Teerdecke und nach weiteren Jahren mit einem Radweg versehen.

Nach dem Bau des Freibades in Oberbruch im Jahre 1952 ließ der Badebetrieb an der Panzerfalle nach, das Gewässer verlor mehr und mehr an Interesse und lag einige Jahre ungenutzt da.